18.10.2018
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Zürich  | 
News

A-Porta muss über die Bücher

Fast 300 Wohnungskündigungen hat die Stadtzürcher A-Porta-Stiftung im Februar und März 2018 verschickt. Jetzt muss der Stiftungsrat über die Bücher.

Als der Beschluss gefasst worden sei, zwei Siedlungen der A-Porta-Stiftung abzureissen, habe er die Mieter zu wenig im Fokus gehabt, sagt  Grossmünster-Pfarrer und A-Porta-Stiftungsrat Christoph Sigrist (M+W 4/18). Wie dramatisch die mit den Kündigungen ausgelöste Unsicherheit und wie gross die Empörung ist, war Anfang Oktober im Zürcher Volkshaus mit Händen zu greifen. Der MV Zürich hatte die betroffenen Mietenden der Stiftung zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Über 80 sind  gekommen.

Nach der Kündigungswelle hat der MV intensive Gespräche mit der  Geschäftsleitung und dem Stiftungsrat geführt. Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend. Am 1. September ist zwar das Mieterbüro eröffnet worden. Hilfreich ist dieses Büro aber nur für ausgewiesene Härtefälle. Alle anderen Mietenden können nur noch hoffen, dass ihnen die Verwaltung eine der wenigen Wohnungen anbietet, die in den nächsten Monaten in  anderen A-Porta-Siedlungen frei werden. Realistischer ist, dass sie auf dem
privaten Markt eine Wohnung mieten, mit einer Verdreifachung ihrer Miete rechnen oder aus Zürich wegziehen müssen. Das Versprechen von Pfarrer Sigrist, für alle Betroffenen eine gute Lösung zu finden, ist kaum einlösbar.

Intransparent
Wenig wert ist auch das Angebot der Stiftung, dass die Mietenden ein  Vormietrecht in den geplanten Ersatzneubauten hätten. Die A-Porta-Stiftung hat bis heute keine Angaben zu den neuen Wohnungen, den Preisen und
dem Zeitpunkt des Bezugs gemacht. Das ist typisch für die  Informationspolitik der Stiftung: Offenheit und Transparenz scheinen ein
Fremdwort zu sein. So wurden den Mietern die Pläne für das am 3. Oktober 2018 öffentlich aufgelegte Bauprojekt an der Egli-/Hohlstrasse nicht von der Bauherrin, sondern vom Mieterverband vorgelegt.

Die Stiftung scheint gelähmt zu sein von der Kritik, die nach dem Versand der Kündigungen über sie hereingebrochen ist. Besonders bitter ist das für jene, die auf den guten Willen der Stiftung gesetzt und im Frühling auf eine Anfechtung der Kündigung verzichtet haben. Die Frist für die  Wohnungssuche wird immer kürzer. Und eine Etappierung der  Neubauvorhaben, mit der die Zeit für die Suche nach guten Lösungen verlängert werden könnte, ist nicht in Sicht.

Ruf steht auf dem Spiel
Die einzig gute Nachricht kommt von der Schlichtungsbehörde. Diese hat am 4. Oktober diverse Einsprachen gegen die Kündigungen an der  Egli-/Hohlstrasse behandelt. A-Porta war bereit, den Auszugstermin für die Mieter vom 30. September 2019 auf den 30. September 2020 zu  verschieben. Ob die Stiftung allen 200 Mietenden der Siedlung eine Verlängerung anbietet, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe aber
immer noch unklar.

Fazit: Wenn der gute Ruf von A-Porta nicht dauerhaft beschädigt werden soll, muss der Stiftungsrat über die Bücher. Seine Mitglieder haben sich bisher vor allem um die Verteilung der Gewinne aus der Vermietung gekümmert. Mit je zwei Vertretern der Kirche und der Stadt Zürich haben die Hauptbegünstigten der jährlichen Vergabungen (1,4 Mio. Franken) im  Stiftungsrat die klare Mehrheit. Vor allem die Vertreter der Stadt Zürich, welche die A-Porta-Stiftung zum erweiterten Kreis der gemeinnützigen
Wohnbauträger zählt, sind in der Pflicht. Der Stadtrat hat ein Vorschlagsrecht für die Wahl des Geschäftsleiters. Damit hätte er schon früher direkten Einfluss auf die Bewirtschaftung der knapp 1400 Wohnungen nehmen können. Und er kann dies selbstverständlich auch heute noch.

Was A-Porta bauen will

Die A-Porta-Stiftung hat seit 2007 ein Leitbild für die Entwicklung ihres  Immobilienportfolios bis 2040. Die Sanierung von drei grossen Siedlungen mit mehr als 800 Wohnungen ist 2017 abgeschlossen worden. Aktuell in Planung oder vor der Realisierung sind Ersatzneubauten der Siedlungen Egli-/Hohlstrasse (200 Wohnungen, Kündigungen im Februar 2018 auf September 2019) und an der Rötel-/Kornhausstrasse (rund 80 Wohnungen,
Kündigung im Mai 2018 auf März 2020) sowie die Sanierung der Siedlung beim ehemaligen Hardturmstadion (rund 100 Wohnungen, ob und wann Kündigungen ausgesprochen werden, ist unklar). Konkrete Pläne liegen erst für die Siedlung Egli-/Hohlstrasse vor. Anstelle der 200 sehr preisgünstigen Kleinwohnungen will die Stiftung 150 Wohnungen mit Mieten bis 2400 Franken und ein privates Pflegeheim erstellen. Würde auf das Pflegeheim verzichtet, könnten im Neubau 50 Wohnungen mehr gebaut werden.